Geschichten schreiben

Verzeichnis:

  1. Vorwort
  2. Allgemeines
    • Umschreibung
    • Gliederung
  • Kurzgeschichten
  • [list]
  • Eine Kurzgeschichte vorbereiten
  • Eine Kurzgeschichte schreiben
  • Fortsetzungsgeschichten
    • Eine Fortsetzungsgeschichte vorbereiten
    • Eine Fortsetzungsgeschichte schreiben
    [/list]

    1. Vorwort


    Im Folgenden soll versucht werden zu erklären, worauf man beim Schreiben vom Geschichten achten sollte und er soll Anfänger, aber auch fortgeschrittenen Schreiberlingen helfen, ihre Geschichten besser auszuarbeiten.

    2. Allgemeines


    Es gibt bestimmte stilistische Dinge, die man keiner der anderen beiden Kategorien zuordnen kann, da sie sowohl für Kurzgeschichten als auch für Fortsetzungsgeschichten gelten. Dabei geht es vor allem um sprachliche und äußerliche Schönheit.

    2.1 Umschreibung

    Es gibt immer wieder Geschichten, die nicht wirklich die Spannung steigern, wenig Gefühle vermitteln und eher sachlich wirken. Um das zu umgehen, empfehlen die meisten „mehr Umschreibungen“. Doch wie umschreibt man besser?

    Beispiel: "Plötzlich hielt ihm jemand eine Schwertklinge an den Hals. Zadon erschrak sehr. Er würde sterben!"

    Der Leser hat an dieser Stelle nicht wirklich das Gefühl, im Geschehen dabei zu sein. Er fühlt sich der Hauptperson, in diesem Falle „Zadon“, nicht verbunden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Stelle einfach viel zu kurz ist, um wirklich Spannung aufzubauen. Wichtig ist nun, Zadons Gefühle möglichst genau zu beschreiben.

    • Hat er Angst? Ist er wütend?
    • Was oder woran denkt er? An seine Freunde? An vergangene Zeiten?
    • Was sieht er? Die Schwertklinge? Seinen Gegner? Wird ihm schwarz vor Augen?

    Bei der Beantwortung der Fragen sollte man auch auf den Charakter der Hauptperson achten: Macht es ihm etwas aus, zu sterben? Ist er ein ängstlicher Typ oder eher ein reizbarer? Sind ihm andere Personen wichtig oder nur er selbst?
    Wenn ihr diese Fragen beantwortet und damit eine ungefähre Ahnung bekommen habt, wie die Antworten auf die Fragen sein könnten, versucht euch selbst in Zadons Situation zu versetzen. Schließt die Augen und geht in Gedanken die Vorgeschichte nach, um euch in das Geschehen hineinzufinden. Alternativ könnt ihr auch noch einmal lesen, was ihr zuvor geschrieben habt oder vielleicht die Szenen sogar spielen. Dann versucht, möglichst viele Gedanken und Gefühle von euch selber aufzufangen. Notiert sie euch eventuell stichwortartig und schreibt das Erlebte dann aus Sicht Zadons nieder.

    Als erstes die Schwertklinge: Da sie an seinen Hals gehalten wird, spürt er sie auch. Wie fühlt sie sich an? Kalt? Wie sieht sie aus? Blitzblank? Blutbespritzt?
    Dann das Erschrecken: Was fühlt er, als er die Schwertklinge sieht bzw. spürt? Angst vor dem Tod? Gar nichts? Was passiert mit seinem Körper, als er Angst oder Hass verspürt? Zittert er? Weint er?
    Die Gewissheit seines Todes: Seine Gedanken?
    Eventuell wandeln sich seine Gefühle noch. Das Ergebnis eures Textes könnte dann so aussehen:

    "Plötzlich spürte er kaltes Metall an seinem Hals. Wie erstarrt hielt er in seiner Bewegung inne und schielte zur Seite. Neben ihm blitzte der vage Umriss einer Schwertklinge auf. Im ersten Moment drohte Panik ihn zu überwältigen. Ein Schweißtropfen rann in Zeitlupe seine Stirn hinab. Er spürte den warmen Atem seines Gegners im Rücken. Warum stieß er nicht zu? Dann breitete sich plötzlich eine angenehme Leere in seinem Inneren aus. Er würde sterben. Sicher war es nicht das Schlimmste, was ihm widerfahren konnte. Keine Folter, kein Ersticken, keine Krankheit... Ein einziger Hieb würde genügen, um ihn auszulöschen. Beinahe glücklich ließ er seine eigene Waffe zu Boden gleiten."

    Beim Niederschreiben ist natürlich wieder die sprachliche Gestaltung wichtig. Man kann noch so viele Gefühle und Gedanken niederschreiben; sachlicher, trockener Stil nimmt die Spannung trotzdem wieder. Mein Tipp: Möglichst viele Adjektive! Bei plötzlichen, schockartigen Ereignissen, wie zum Beispiel ein plötzliches Einsetzen von Stille an einem lauten Ort, sind kurze, abgehackte Sätze am besten, Beschreibungen von Dingen, Personen oder Landschaften oder normale Ereignisse, die nicht unbedingt Spannung aufbauen sollen, benutzt man am besten längere Satzreihen mit vielen Kommas.

    Vor einiger Zeit wurde ich einmal in einem Thema hier gefragt, wie ich auf die ganzen Beschreibungen der Ereignisse kommen würde. Um das alles im Kopf ablaufen lassen zu können, muss man aber auch erst einmal wissen, wie es sich überhaupt anhört, wenn ein Schiff unter Wasser gezogen wird. Diese Situation ist zwar ein schlechtes Beispiel, aber man kann z. B. einen Wald viel besser beschreiben, wenn man wirklich mal in den Wald geht und genau lauscht auf die Geräusche der Tiere, den Wind in den Bäumen, das Rascheln des Laubs unter seinen eigenen Füßen. Und dann riecht man auch den Duft der Blumen und des Mooses, den Geruch feuchter Erde. Und man sieht das Sonnenlicht in den Blättern, die glitzernden Regentropfen, das flackernde Muster auf dem Boden, das entsteht, wenn die Sonne durch die Baumwipfel scheint.
    Dinge wie untergehende Schiffe, Geschehnisse, die man selber kaum miterleben kann, muss man sich anlesen. Man muss sich genau auf die Dinge einlassen, die andere Autoren erlebt haben und hat sie dadurch auch erlebt. So kann man seinen Vorrat an Gefühlen, Gerüchen, Geräuschen und Gesehenem erweitern.

    2.2 Gliederung

    Beim Schreiben ist auch die Gliederung wichtig. Lange Texte ohne Absätze, viel zu kurze Kapitel etc. behindern beim Lesen und senken eventuell sogar die Spannung. Fazit: Texte sollen nicht nur schön zu lesen, sondern auch schön anzusehen sein.

    2.2.1 Kapitel


    Die große Frage ist immer: Wie lang soll ein Kapitel sein? Die Antwort ist nicht einfach. Eigentlich sollte ein Kapitel einfach eine bestimmte Handlung umfassen, beispielsweise eine Schlacht, der durch den vermeintlichen Tod Zadons ein abruptes Ende gesetzt wird. Natürlich kann es dazu kommen, dass eine Handlung entweder extrem kurz oder extrem lang ist. Lang dürfen Kapitel ruhig sein, zu kurz ist aber eher hinderlich, da durch die Kapitel eine Art Übersicht geschaffen werden soll, die aufgrund vieler kurzer Kapitel zunichte gemacht wird. Am besten fusioniert man zwei aufeinander folgende Kapitel und setzt zwischen sie einfach eine Leerzeile, um den Leser darauf aufmerksam zu machen, dass ein Teil der Handlung hier abgeschlossen ist. Ist das böse kurze Kapitel allerdings zwischen zwei sehr langen, gibt es drei Möglichkeiten:

    1. Man lässt es einfach so. Ein oder zwei kurze Kapitel schaden der Übersicht nicht. Zu viel mehr sollte es allerdings nicht kommen.
    2. Man teilt eines der beiden langen Kapitel und fusioniert es mit dem Kurzen – nicht zu empfehlen, wenn die langen Kapitel eine Handlung enthalten, die unbedingt zusammengehört.
    3. Einfach etwas dazuschreiben – eine Szene an einem ganz anderen Ort, zum Beispiel Zadons Bruder, der loszieht, um Zadon zu suchen, oder noch ein paar mehr Umschreibungen einfügen. Übertreiben sollte man es allerdings nicht.

    Generell sollte ein Kapitel am besten bei einer Schriftgröße von 12 drei oder mehr Word-Seiten bedecken.

    2.2.2 Wann setzt man einen Absatz?


    Am besten erkläre ich das an einem Beispiel: "Leneas Füße schmerzten. Jeder ihrer Schritte war mechanisch, und obwohl es gerade erst zwölf Uhr war, war sie hundemüde. Ein Ziel hatte sie nicht. Sie lief einfach immer nur geradeaus, manchmal auch nach rechts oder links, auch wenn sie eines vom anderen nicht unterscheiden konnte. Sie lief – nur nicht zurück. Sie lief fort, fort von allem, das hatte sie schon immer getan. Wie ihre Eltern. Leneas Eltern waren tot. Sie waren gestorben als sie noch sehr klein war. Ihre einzige Erinnerung an die beiden war das Laufen. Immer geradeaus. Und manchmal auch nach links oder rechts. Lenea hatte lange braune Haare. Da sie nie gekämmt wurden, waren sie verfilzt und viel zu lang. Sie trug außerdem ein langes weißes Hemd, das mittlerweile nicht mehr weiß, sondern verdreckt und völlig zerrissen war, und eine braune Hose, die noch recht neu aussah, weil sie vor Kurzem erst von einem jungen Händler gestohlen worden war. In der Hosentasche hatte das Mädchen immer ein verrostetes Klappmesser dabei. Sie benutzte es für praktische Dinge, zum Beispiel Essen machen, doch ab und zu musste sie sich damit auch drohen, der erzürnten Bauersfrau, die ihre Milchkanne zurück wollte, oder einem Betrunkenen, der sie im Mondlicht für älter hielt, als sie in Wirklichkeit war."

    Dieser Text ist sehr unübersichtlich, da keine Absätze gemacht wurden. Absätze gehören nach eine kurze, abgeschlossene Beschreibung. Im Text geht es zuerst um die laufende Lenea, um ihre Eltern, und dann wieder um die Beschreibung Leneas. Das sind die drei Abschnitte, in die man den Text einteilen kann. Das Laufen am Anfang hat zwar auch etwas mit Leneas Eltern zu tun, doch es sind zwei verschiedene Dinge.

    Also setzen wir die Absätze so: "Leneas Füße schmerzten. Jeder ihrer Schritte war mechanisch, und obwohl es gerade erst zwölf Uhr war, war sie hundemüde. Ein Ziel hatte sie nicht. Sie lief einfach immer nur geradeaus, manchmal auch nach rechts oder links, auch wenn sie eines vom anderen nicht unterscheiden konnte. Sie lief – nur nicht zurück. Sie lief fort, fort von allem, das hatte sie schon immer getan. Wie ihre Eltern.Leneas Eltern waren tot. Sie waren gestorben als sie noch sehr klein war. Ihre einzige Erinnerung an die beiden war das Laufen. Immer geradeaus. Und manchmal auch nach links oder rechts.Lenea hatte lange braune Haare. Da sie nie gekämmt wurden, waren sie verfilzt und viel zu lang. Sie trug außerdem ein langes weißes Hemd, das mittlerweile nicht mehr weiß, sondern verdreckt und völlig zerrissen war, und eine braune Hose, die noch recht neu aussah, weil sie vor Kurzem erst von einem jungen Händler gestohlen worden war. In der Hosentasche hatte das Mädchen immer ein verrostetes Klappmesser dabei. Sie benutzte es für praktische Dinge, zum Beispiel Essen machen, doch ab und zu musste sie sich damit auch drohen, der erzürnten Bauersfrau, die ihre Milchkanne zurück wollte, oder einem Betrunkenen, der sie im Mondlicht für älter hielt, als sie in Wirklichkeit war."

    Grün: Das Laufen
    Blau: Leneas Eltern – Den Absatzanfang kann man auch gut daran erkennen, dass bisher über Lenea nur als „sie“ geschrieben wurde. Jetzt wird aber bewusst „Lenea“ geschrieben, um darauf aufmerksam zu machen, dass ein neuer Absatz anfängt.
    Braun: Beschreibung Leneas – Hier ist der Unterschied ganz deutlich: Gerade eben war noch von den Eltern die Rede, jetzt geht es wieder um Lenea. Auch hier wird wieder von „sie“ auf „Lenea“ gewechselt.

    2.2.3 Wann setze ich eine Leerzeile?


    Ab und zu gibt es in einem Kapitel eine Leerzeile, wie zum Beispiel in diesem Artikel zwischen "auf „Lenea“ gewechselt" und "Wann setze ich eine Leerzeile?". Diese Leerzeile markiert die Grenze zwischen zwei Kapiteln im Kapitel, wie hier im Kapitel „Gliederung“ die Grenze zwischen den Ausführungen zu den Absätzen und den Leerzeilen oder einen plötzlichen Ortswechsel.

    Beispiel: "„Lung!“, rief der Fremde. Lea drehte sich um. Das war wirklich alles höchst merkwürdig. „Es ist Zeit“, fuhr der Fremde fort, „der letzte verschollene Masiului ist aufgetaucht.“ Er setzte seine Sonnenbrille wieder auf.
    Lea und die beiden anderen kamen zu ihnen. Nevis spürte ihre prüfenden Blicke auf sich.
    „Was geht hier vor?“, fragte er verwirrt.

    „Setz dich“, bat der alte Mann.
    Immer noch sehr durcheinander ließ Nevis sich auf dem Boden nieder. Sie hatten sich in einem Gebüsch versteckt, da der Alte meinte, er könne seine Tarnung nicht mehr lange aufrecht erhalten. Was auch immer er damit meinte. Nevis wunderte sich heute über nichts mehr. Die drei anderen Kinder setzten sich neben ihn.
    „Was ist jetzt los?“, schnaufte er, „erklären Sie mir das!“"


    Das ist ein Beispiel für einen Ortswechsel. Vor der Leerzeile ist Nevis auf einer Wiese im Park, danach befindet er sich plötzlich im Gebüsch. Die Leerzeile versteckt also ein Ereignis, welches der Leser nicht mitbekommt – in diesem Falle also, wie der alte Mann die Kinder ins Gebüsch führt. Dieses Ereignis ist für den Verlauf der Geschichte eigentlich nicht wichtig, also kann man es auslassen. Statt dieser Leerzeile hätte man auch ein neues Kapitel anfangen können.

    Ein weiteres Beispiel: "„Und was habe ich damit zu tun?“, erkundigte sich Nevis.
    „Hast du noch Zeit für eine zweite Geschichte?“, fragte Tatsu.

    „Dann war dieser Gerold also auch eine... äh, Wolke?“
    Tatsu nickte bedächtig. „Wolkengerold... Wir vermuten, dass er einer der Madakiusuiam ist, haben aber noch keine handfesten Beweise.“"


    Die Geschichte, die Tatsu an dieser Stelle erzählt, ist für den Leser irrelevant, da er sie in einem anderen Teil der Geschichte bereits erfahren hat, Nevis kennt sie aber noch nicht. Um den Leser nicht mit bereits Gelesenem zu langweilen, setzt man an dieser Stelle eine Leerzeile. Nach den darauffolgenden Satz mit Gerold weiß der Leser spätestens, um welche Geschichte es sich handelt, da Gerold eine Schlüsselfigur in der erzählten Geschichte ist. Solche versteckten Hinweise kann man machen, damit der Leser sofort wieder auf dem neuesten Stand ist, muss man aber nicht.

    3. Kurzgeschichten


    Kurzgeschichten sind in sich abgeschlossene Geschichten ohne Kapitel, die meist nur wenige Seiten lang sind. Kurzgeschichten zu schreiben ist wahrscheinlich schwieriger als bei Fortsetzungsgeschichten, da man sich kurz fassen und trotzdem Spannung aufbauen muss.

    3.1 Eine Kurzgeschichte vorbereiten

    Die Handlung einer Kurzgeschichte sollte ein kürzeres Ereignis umfassen, beispielsweise eine kurze Begegnung, vielleicht auch nur einen Eindruck. Es darf nicht zu viel Handlung geben, da man sonst nicht mehr so schön beschreiben kann und viele Informationen, die in einer kurzen Zeit auf den Leser niederprasseln, verwirrend sein können, und den Lesespaß senken.

    Die Eigenschaften der Charaktere sollten nur genannt werden, wenn sie wichtig für die Geschichte sind. Keine allzu großen Rätsel um ihre Verhaltensweisen spannen und wenn möglichst keine Charakterveränderungen, z. B. ein Böser, der sich plötzlich zum Guten kehrt. Das ist einfach zu viel Ballast für eine Kurzgeschichte. Auch sollten es nicht viele Personen sein, die vorkommen.

    Beispiel: "Timo, ein blondhaariger Junge mit einem roten T-Shirt, meldete sich. Die rothaarige Lehrerin, Frau Müller, nahm ihn dran. „Sollen wir diese Hausaufgabe wirklich machen?“, fragte Timo. Sein Nachbar Franz, ein Junge mit hellblonden Haaren und einer weißen Mütze, kicherte über die dämliche Frage. Katrin warf aus der hinteren Ecke des Klassenraums eine Papierkugel herüber.
    [...] Nach der Schule traf sich Timo mit seinen Freunden Sebastian, Gabriel und Herman. Sebastian hatte kurze braune Haare, Gabriel war sein Zwillingsbruder und sah genauso aus. Herman trug immer eine schwarze Hose und hatte blonde Haare."


    In diesem Beispiel prasseln Namen und Beschreibungen nur so auf den Leser ein. Er weiß schon im nächsten Satz nicht mehr, ob die Lehrerin rote oder braune Haare hatte. Personenbeschreibungen, in denen Haarfarbe und Kleidung vorkommen, sind zwar beliebt, aber meist nicht wichtig für die Geschichte. Am besten nur die Hauptperson näher beschreiben oder das Aussehen ganz weglassen.
    Viel wichtiger sind feste Charaktereigenzüge. Wenn man sich geschickt anstellt, kann man diese schon mit einem einzigen unscheinbaren Satz auf den Punkt bringen. Ein Beispiel dafür ist die Frau, die ständig alles putzt, und in deren Haus eine krankhafte Ordnung und Sauberkeit herrscht. Andauernd will sie alles verbessern und verschönern. Diese Frau ist dem Leser aufgrund dieser Eigenschaft direkt unsympathisch. Dem Helden sollte man angenehmere Züge verpassen, damit der Leser sich ihm verbunden fühlt, und sich besser in ihn hineinversetzen kann. Gut ist es, der Hauptperson eine Eigenschaft zu verleihen, die auf die meisten Leute ebenfalls zutrifft, sodass sie sich in ihrem Helden selbst wiedererkennen.

    3.2 Eine Kurzgeschichte schreiben

    Besonders kritisch ist immer der Anfang. Eine Einleitung ist bei Kurzgeschichten nicht nötig, da sie zu viel Platz wegnehmen. Man muss den Leser stoßartig ins Geschehen hineinkatapultieren, aber so, dass er trotzdem versteht, was eigentlich passiert.

    Beispiel: "Wendy rannte durch den Wald. Bei jedem Schritt stob das Laub hinter ihr durch die Luft, Zweige klatschten ihr ins Gesicht. Die Brennnesselstiche an ihren Armen und Beinen kümmerten Wendy überhaupt nicht."

    Das ist ein Anfang einer Kurzgeschichte. Der Leser ist direkt mittendrin im Geschehen, es gibt keine Einleitung. Es scheint etwas vorher passiert zu sein und er will jetzt wissen, was. Der stoßartige Anfang hat seine Neugierde geweckt.

    "Sie hatte sich wieder mit ihren Eltern gestritten. Diese waren nämlich der Ansicht, dass Wendy zu viel Fantasie hätte. Und das nur, weil sie ihren Eltern erklärt hatte, dass Drachen ihre Lieblingstiere seien, und das sie lieber mit „unsichtbaren“ Elfen spielte, als mit anderen Kindern. Sonst hatten die Eltern ihr nur versucht zu erklären, dass es doch wichtig für ihr späteres Leben war, wenn sie gut mit anderen Leuten auskäme und da sie ein Einzelkind war, müsse sie eben viel mit anderen Kindern spielen. Und dann hatten sie noch viel anderes Erwachsenen-Zeugs gesagt. Normalerweise hätte es Wendy nach zehn Minuten gereicht, und sie wäre auf ihr Zimmer gegangen, und hätte die Nase in ein dickes Buch gesteckt. Normalerweise.
    Dieses Mal war es anders gewesen. Denn als Wendy gerade gehen wollte, sagte ihr Vater Folgendes: „Wendy, werd doch mal erwachsen. Es gibt keine Drachen, keine Elfen und keine Feen!“
    Werd doch mal erwachsen! Wenn es in der Welt der Erwachsenen keine Drachen, Elfen oder Feen gab, wollte Wendy nicht erwachsen werden. Niemals.
    „Es gibt Drachen! Es gibt sie alle!“, hatte sie ihrem Vater ins Gesicht geschrieen und war weggelaufen."


    Nun wird kurz erläutert, was überhaupt geschehen ist. Nun kann man auch erkennen, dass die Kurzgeschichte für eine jüngere Zielgruppe ist, da es um ein Mädchen geht, welches zu viel Fantasie hat, und deshalb von ihren Eltern ein wenig geärgert wird. Damit fühlen sich Kinder sofort angesprochen, da jedes Kind mal Probleme mit seinen Eltern hat. Diese sind in der Geschichte die „Bösen“, da sie der Protagonistin die Fantasie austreiben wollen. Der Leser weiß nun genau, was er von den Personen hält.
    Was nun folgt, ist die Handlung. Da es bereits in der Einleitung um Fantasie ging, sollte sich nun auch der Rest der Geschichte darum drehen. Das Erste, das passiert, könnte nun zum Beispiel eine fantasievolle Begegnung oder Erscheinung sein und dann ein kleines Abenteuer. Wichtig ist nur, dass man sich an den Themenschwerpunkt hält, den man am Anfang gelegt hat. Beschreibt man beispielsweise zu Anfang wie ein Trainer sein erstes Pokémon bekommt, kann man nun nicht plötzlich Drachen über der Stadt fliegen oder einen Zauberer das Dorf übernehmen lassen.

    4. Fortsetzungsgeschichten


    Eine Fortsetzungsgeschichte ist das Gegenstück der Kurzgeschichte. Sie besteht aus mehreren Kapiteln und enthält viel mehr Handlung als die Kurzgeschichte. Man sollte meinen, sie ist viel einfacher zu schreiben – das stimmt aber nicht ganz: Während man bei einer Kurzgeschichte häufig zu viel schreibt, fällt einem bei der Fortsetzungsgeschichte meist zu wenig ein.

    4.1 Eine Fortsetzungsgeschichte vorbereiten

    Man kann sich entweder auf eine festgelegte Handlung beschränken oder gerade nach Lust und Laune eine Endlosgeschichte planlos weiterschreiben. Ich persönlich lege die Handlung lieber vorher fest, damit ich während des Schreibens nicht zwischendurch für Monate stoppen muss, weil mir keine Ideen mehr kommen.

    4.1.1 Ideensammeln


    Ideen kommen nicht schön geordnet, sondern wild durcheinander. Am Anfang steht die Grundidee für das Thema der Geschichte, dann kommen nach und nach einige Teilfetzen. Am besten ist, man legt sich Karteikarten zu, und immer, wenn einem so ein Teilfetzen, beispielsweise das Ende oder ein Stück von mittendrin, zugeflogen kommt, schreibt man ihn stichwortartig auf eine Karte und sortiert sie an der Stelle, an der man den Fetzen später haben will, ein. So hat man am Ende des Ideensammelns eine schöne geordnete Sammlung von Ideen.
    Nun geht es daran, diese in Kapitel zu fassen. Schätzt, wie viel ihr für die einzelnen Abschnitte braucht, und packt sie dann je nach Größe in einzelne Kapitel. Dazu könnt ihr extra Fächer in der Kartei anordnen oder ein großes Blatt nehmen und dort die Stichworte für jedes Kapitel noch mal abschreiben. Hier lohnt es sich, noch einmal aufmerksam 2.2.1 Kapitel durchzulesen, falls ihr das nicht ohnehin schon getan habt.

    4.1.2 Die Charaktere


    Man sollte seine eigenen Charaktere vor dem Schreiben gut kennen lernen. Wichtig ist nicht unbedingt ihr Aussehen, sondern eher ihr Charakter. Am besten denkt man sich vor dem Schreiben noch andere Geschichten mit ihnen aus, die man nicht niederschreibt – ihre Vergangenheit, ihren Alltag oder auch Abenteuer, die sie nie erlebt haben oder erleben werden. All das hilft, sie besser einzuschätzen und so realistischer über sie schreiben können.
    Manche Autoren malen auch ein Bild von ihren Charakteren und fertigen einen kleinen Steckbrief an.

    4.2 Eine Fortsetzungsgeschichte schreiben

    Siehe hierzu auch: 2.1 Umschreibung

    4.2.1 Der Prolog


    Der Prolog ist nicht zwingend, es empfiehlt sich aber, einen zu schreiben. Prologe sind meistens verwirrend und regen zum Weiterlesen an, da der Leser das Rätsel gerne lösen möchte. Am besten nimmt man für den Prolog eine Szene aus der Vergangenheit oder der Zukunft, sodass der Leser beim Lesen nach und nach versteht, was dort vor sich gegangen ist.

    4.2.2 Die Charaktere


    Charaktere einer Fortsetzungsgeschichte dürfen im Gegensatz zu denen einer Kurzgeschichte dem Leser Rätsel aufgeben oder sich langsam verändern. Das ist sogar sehr gut für die Geschichte; es hebt die Spannung noch an.
    Meine Deutschlehrerin sagte letztens zu mir: „Der Leser möchte den Helden verstehen.“ Am besten verstehe der Leser die Hauptfigur, so meinte sie, indem man ihm Dinge verrate, die der Charakter selbst noch nicht wisse, beispielsweise Erinnerungsfetzen oder Dinge über einen anderen Charakter, der dem Helden noch ein Rätsel aufgibt. So fühlt sich der Leser den Figuren in der Geschichte überlegen, das verschafft ihm ein Gefühl der Zufriedenheit.
    Am Anfang ist es wichtig, den Leser mit den Charakterzügen des Helden vertraut zu machen, indem man zum Beispiel eine Alltagssituation beschreibt. Im zweiten oder dritten Kapitel wird der Held dann aus diesem Leben herausgerissen und erlebt ein Abenteuer. Dadurch, dass der Leser weiß, wie sich der Charakter in normalen Situationen verhält, weiß er ihn für den Rest der Geschichte besser einzuschätzen.

    Vielen Dank an Waldmensch für ihre Mitarbeit.