Scratching

Verzeichnis:

  1. Einführung
  2. Scratching-Tutorial
  3. Nützliche Tipps und Tricks
  4. Arten von Scratches

1. Einführung



Unter dem Begriff Scratchen (oder auch Selfspriting) versteht man das Pixeln von eigenen Sprites. Das heißt in unserem Fall, Pokémon werden am PC vollkommen neu entworfen und gemalt. Dieser Zweig des Fanartbereiches wird immer öfter auch in Wettbewerben angewandt und hat vor allem den Vorteil, dass man seiner Kreativität freien Lauf lassen kann und beim Spriten praktisch unbegrenzte Möglichkeiten hat.
Allerdings ist das Pixeln eines Pokémon nicht leicht und erfordert sehr gute Spriting-Kentnisse und vor allem viel Übung. Dieser Artikel soll euch das Scratchen ein wenig näher bringen.

Grafikprogramm

Als Programm zum Scratchen eignet sich Paint am Besten, da es auf jedem PC vorhanden und einfach zu bedienen ist. Für das nachfolgende Tutorial wird die Paint-Version von Windows Vista verwendet, die sich aber nicht wesentlich von der Windows XP - Version unterscheiden sollte.

2. Scratching-Tutorial


In diesem Tutorial wird an einem Beispiel Schritt für Schritt das Scratchen eines erfundenen Pokémon erklärt. Bis man einen fertigen Scratch hat, müssen im Grunde drei Etappen bewältigt werden: Das Entwerfen, das Vorzeichnen und das Ausmalen. Also dann, los geht’s!

2.1 Der Entwurf

Bevor man anfängt, sollte man sich erst einmal Gedanken machen, wie das erfundene Pokémon aussehen soll. Dabei sind folgende Aspekte besonders wichtig:

  • "Spezies" (Ähnelt das Pokémon einem Menschen/Tier/Fabelwesen etc.?)
  • Körperbau und -merkmale
  • Größe
  • Farben
  • Pose/Körperhaltung (Wie sitzt/liegt/steht/schwebt etc. das Pokémon?)

Wenn wir eine ungefähre Vorstellung von unserem eigenen Pokémon haben, können wir mit dem eigentlichen Scratchen beginnen. In diesem Beispiel wird ein katzenähnliches, sitzendes Pokémon gescratcht.

2.2 Die Vorzeichnung

Grundsätzlich sollte man beim Pixeln mit Paint einen hohen Zoom-Wert benutzen, um möglichst viel zu erkennen. Dieser kann mit der Lupe eingestellt werden.

Beim Vorzeichnen eignet sich der Stift in der Farbe Schwarz am besten.

Wir beginnen mit dem Umriss des Kopfes. Diesen kann man ganz einfach mit dem Ellipsen-Werkzeug erstellen:



Jetzt wird es allerdings etwas schwieriger, da wir nun mehr ins Detail gehen. Für das naturgetreue Scratchen von ungleichmäßig geformten Körperteilen (z.B. Gesichtszüge, Gliedmaßen und kleine Einzelheiten) braucht man ein wenig zeichnerische Erfahrung und viel Übung. (Mehr dazu unter „Nützliche Tipps und Tricks“)

Wir scratchen nun katzenähnliche Ohren an den Kopf:



Dann pixeln wir Einzelheiten an die Ohren und fügen am Kopf noch kleine Fellfetzen hinzu, damit dieser natürlicher wirkt:



Wenn wir mit dem Kopf zufrieden sind, können wir zum Körper übergehen. Hierbei sollte man IMMER darauf achten, dass Proportionen und Anatomie stimmen. (Zum Beispiel muss der Kopf in einem naturgetreuen Verhältnis zum Körper stehen und darf nicht übergroß sein!) Wenn dabei Schwierigkeiten auftreten, hilft es manchmal, sich irgendwo eine Vorlage zu suchen. (Zum Beispiel in der eigenen Umwelt oder bei der Google-Bildersuche!)

Da wir ein auf den Hinterbeinen sitzendes Katzenpokémon scratchen wollen, malen wir erst eine geschwungene Linie als Rücken, dann das erste eingeknickte Hinterbein, den Bauch und schließlich noch eines der ausgestreckten Vorderbeine:



Danach kommen noch das jeweils zweite Vorder- und Hinterbein hinzu. Hier muss man darauf achten, dass diese von anderen Körperteilen verdeckt werden und deshalb nicht vollständig zu sehen sind. Das hintere Hinterbein ist außerdem vom Betrachter aus gesehen weiter weg und deswegen etwas kleiner. Solche Dinge sind beim Körperbau sehr wichtig. Außerdem wird mithilfe von geschwungenen Linien noch ein Schwanz angesetzt.



Jetzt sind wir fast fertig mit dem Vorzeichnen. Das wichtigste fehlt allerdings noch – das Gesicht! Dabei sollte man nicht nur darauf achten, dass Augen, Nase und Mund die richtige Größe haben. Man muss dem Pokémon auch einen besonderen Gesichtsausdruck geben, damit es lebendiger wirkt und eine Persönlichkeit bekommt. Unser Kätzchen macht ein grimmiges Gesicht, was man an den schmalen Augen und den nach innen zeigenden „Augenbrauen“ sehen kann.

Neben dem Gesicht fügen wir noch andere Einzelheiten hinzu, damit der Körper nicht zu leer aussieht. Das Pokémon hat jetzt zur Verzierung Ringe um Hals, Vorderpfoten und Schwanz, sowie zwei kleine Edelsteine auf der Stirn:



Das Vorzeichnen – und damit den Teil, der am Scratchen im Grunde so schwierig ist – haben wir geschafft! Jetzt muss der Scratch nur noch ausgemalt werden.

2.3 Die Coloration

Für die Coloration des Scratches sollte man sich natürlich eine entsprechende Farbgebung überlegt haben. Von jeder Farbe, die verwendet wird, brauchen wir einen Grundfarbton und davon eine hellere und eine dunklere Variante. So kann man Licht und Schatten erzeugen, was den Scratch viel lebendiger und nicht so flach wirken lässt.

Bei den originalen Pokémon-Sprites ist es meistens so, dass neben dem Grundfarbton noch jeweils ein heller und dunkler Ton vorhanden ist. Die Outlinefarbe hat höchstens zwei Abstufungen.

Man kann entweder die Farben eines schon vorhandenen Pokémonsprites benutzen, oder selbst Farben mixen, indem man mit der Farbpalette die Hell- und Dunkeltöne mischt (Menü -> Farben -> Palette bearbeiten -> Farben definieren).

Damit wir schön unkompliziert färben können, machen wir uns neben dem Scratch eine eigene Palette, in der alle Farbabstufungen enthalten sind:



Zuerst wählen wir die Reihe mit den Grundfarbtönen aus und färben das Pokémon an den entsprechenden Stellen erst einmal eintönig:



Dann kommen Licht und Schatten ins Spiel. Für Pokémonsprites gilt die Regel, dass das Licht IMMER von links oben kommt. Das heißt, die Stellen, auf die das Licht direkt trifft werden im helleren Farbton coloriert.



Die Körperteile, auf die nur wenig oder gar kein Licht fällt(zum Beispiel weil sie von einem anderen Körperteil verdeckt werden oder in einer Vertiefung liegen), colorieren wir im dunkleren Farbton.



Zuletzt müssen noch die Outlines (Außenlinien) eingefärbt werden, sprich: alles, was noch schwarz ist. Dies funktioniert nach dem selben Prinzip wie die Innencoloration: Dort, wo viel Licht hinfällt, benutzen wir die hellere Outlinefarbe, dort wo wenig Licht hinfällt, die dunkle. An extrem dunklen Stellen können die Outlines einfach schwarz gelassen werden.



Und damit ist unser eigenes Pokémon FERTIG!

3. Nützliche Tipps und Tricks

3.1 Scratchen von unregelmäßigen Formen

Beim Vorzeichnen des Scratches tritt besonders häufig die Schwierigkeit auf, dass nicht regelmäßige Formen und Rundungen gezeichnet werden müssen. Deshalb gibt es einige kleine Tricks, die dies erleichtern sollen. Als Beispiel nutzen wir das Anpixeln der Katzenohren aus dem Tutorial:

Die wahrscheinlich einfachste Möglichkeit – Man zeichnet das gewünschte Körperteil frei Hand, so als würde man auf einem Blatt Papier und nicht am PC zeichnen. Unsauberkeiten und dicke Linien werden im Nachhinein mit dem weißen Stift oder dem Radiergummi-Werkzeig ausgebessert:


Alternativ setzt man nacheinander jeden Pixel einzeln, bis die gewünschte Form fertig ist. Das ist zwar sehr aufwendig, dafür aber für extrem kleine Details gut geeignet:


Die dritte Möglichkeit ist die Verwendung des Bögen-Werkzeugs , um gebogene Linien zu erstellen. Das hat den Vorteil, dass man nicht so viel freihändig zeichnen muss, allerdings kann diese Methode nur bei längeren Linien angewandt werden:

3.2 Tipps zur Schattierung

Oft ist es für Anfänger schwierig, die Schatten bei der Coloration richtig zu setzen. Es gibt dabei einige wichtige Grundregeln, die im Tutorial teilweise schon erläutert wurden.

  • Wenn das Licht ohne ein Hinderniss auf eine Fläche fällt, ist diese am hellsten.
  • Die Flächen, die dem Licht abgewandt sind, oder von anderen Flächen verdeckt werden, liegen im Schatten und sind somit dunkler.
  • Dort, wo zwei Flächen aufeinandertreffen, sind die Schatten am tiefsten, das heißt am dunkelsten.
  • Auf eine Erhebung kann das Licht ungehindert treffen und die Fläche ist heller.
  • In eine Vertiefung kann das Licht nur schwer eindringen und die Fläche liegt im Schatten(ist dunkler).

Wenn man diese Dinge beim Färben des Scratches beachtet und viel übt, ist es irgendwann gar kein Problem mehr, die Schatten richtig zu setzen.

Bei den originalen Pokémon-Sprites gibt es die Regel, dass bei der Coloration nur jeweils ein heller und ein dunkler Farbton der Ausgangsfarbe verwendet wird. Wenn man seinem Scratch einen „gewissen Glanz“ verleihen will, gibt es auch die Möglichkeit, beliebig viele Hell/Dunkel-Abstufungen zu benutzen. Man kann sie ganz einfach mit der Farbpalette von Paint mischen (Menü -> Farben -> Palette bearbeiten -> Farben definieren). Diese zusätzlichen Lichteffekte lassen den Scratch noch lebendiger aussehen. Hier sieht man das am Beispiel des Katzenpokémon:

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4. Arten von Pokémon Scratches


Scratches sind sehr vielfältig und individuell. Es gibt dabei natürlich zahlreiche verschidene Möglichkeiten.

Die eigenen Pokémon-Kreationen werden wohl am häufigsten gescratcht und sind auch bei Wettbewerben hin und wieder vertreten. Hier einige Beispiele von erfundenen Selfsprites:


Natürlich beschränkt sich Scratching nicht nur auf das Pixeln von erfundenen Pokémon. Es gibt auch selbst gepixelte Nachbildungen von bereits vorhanden Pokémon in abgewandelter Form, Größe oder Stellung:


Sie können auch in völlig veränderter Art auftreten, beispielweise in Form von gepixelter Kleidung (und/oder anderen Accessoires):
Vielen Dank an burma, chibikurai und ~Ria~ für ihre Mitarbeit.
Vielen Dank an burma, Hermine, Hoppelbobbel, Lormanda, Tornuto-Fan, V-Thunder und ~Ria~ für ihre Scratches.